2. Einkauf & Beschaffung
Beschaffungsprozess mit Odoo digitalisieren
Ein strukturierter Beschaffungsprozess sorgt dafür, dass Materialien, Handelswaren und Dienstleistungen rechtzeitig, zu passenden Konditionen und mit klaren Verantwortlichkeiten eingekauft werden. In vielen Unternehmen läuft der Einkauf jedoch noch über E-Mails, Excel-Listen, Telefonate oder getrennte Warenwirtschafts- und Buchhaltungssysteme.
Mit Odoo kann der gesamte Procure-to-Pay-Prozess digital abgebildet werden – vom Bedarf über Anfrage und Bestellung bis zum Wareneingang und zur Lieferantenrechnung. Der eigentliche Mehrwert entsteht, wenn Einkauf, Lager und Buchhaltung auf einer gemeinsamen Datenbasis arbeiten und definierte Regeln für Freigaben, Beschaffung und Rechnungsprüfung gelten.
Wo fange ich bei der Digitalisierung meines Einkaufs an?
Der erste Schritt besteht darin, den heutigen Einkaufsprozess vollständig zu verstehen.
Dabei sollte nicht nur betrachtet werden, wie eine Bestellung erstellt wird, sondern auch, wie der Bedarf überhaupt entsteht.
Wichtige Fragen sind:
- Wie entsteht heute ein Einkaufsbedarf?
- Wer darf Bestellungen auslösen?
- Welche Produkte und Dienstleistungen werden regelmäßig beschafft?
- Welche Lieferanten werden genutzt?
- Wie werden Preise und Konditionen verwaltet?
- Gibt es Mindestbestellmengen?
- Welche Freigaben sind erforderlich?
- Wie werden Bestellungen verschickt?
- Wie wird der Wareneingang dokumentiert?
- Wie werden Abweichungen behandelt?
- Wie erfolgt die Rechnungsprüfung?
- Wo entstehen heute Verzögerungen oder doppelte Dateneingaben?
Ein möglicher Soll-Prozess lautet:
Bedarf
→ Anfrage / Request for Quotation
→ Angebotsvergleich
→ Bestellung
→ Freigabe
→ Wareneingang
→ Lieferantenrechnung
→ Prüfung
→ Zahlung
Ziel sollte sein, zuerst den Standardprozess sauber zu definieren und Sonderfälle erst anschließend abzubilden.
Wie analysiere ich den bestehenden Procure-to-Pay-Prozess?
Der Procure-to-Pay-Prozess umfasst alle Schritte vom entstehenden Bedarf bis zur Bezahlung des Lieferanten.
Für die Analyse sollte ein realer Einkaufsvorgang vollständig durchlaufen werden.
1. Bedarf
Woher kommt der Bedarf?
Zum Beispiel:
- Mindestbestand unterschritten
- Kundenauftrag
- Produktionsauftrag
- Projekt
- manuelle Anforderung
- regelmäßige Verbrauchsplanung
2. Lieferantenauswahl
Wie wird entschieden, bei wem bestellt wird?
- günstigster Preis
- bevorzugter Lieferant
- Lieferzeit
- Qualität
- Verfügbarkeit
- bestehender Rahmenvertrag
3. Anfrage
Wird vor der Bestellung ein Angebot eingeholt?
Falls ja:
- bei wie vielen Lieferanten?
- wer vergleicht die Angebote?
- welche Kriterien werden bewertet?
4. Bestellung
Wer erstellt und bestätigt die Bestellung?
5. Freigabe
Welche Bestellungen müssen genehmigt werden?
6. Wareneingang
Wer prüft:
- Menge
- Produkt
- Qualität
- Charge
- Seriennummer
- Liefertermin?
7. Lieferantenrechnung
Wie wird geprüft, ob Rechnung, Bestellung und Wareneingang zusammenpassen?
8. Zahlung
Wann darf die Rechnung bezahlt werden?
Diese Analyse zeigt schnell, an welchen Stellen der heutige Prozess manuell, fehleranfällig oder unnötig kompliziert ist.
Wie bilde ich Bedarf → Anfrage → Bestellung → Wareneingang → Rechnung ab?
Ein digitaler Beschaffungsprozess sollte möglichst durchgängig sein.
Bedarf
Der Bedarf kann manuell oder automatisch entstehen.
Beispiele:
- Lagerbestand fällt unter Mindestbestand
- Kundenauftrag löst Beschaffung aus
- Produktion benötigt Material
- Projekt benötigt externe Leistung
Anfrage
Aus dem Bedarf kann eine Anfrage an einen oder mehrere Lieferanten entstehen.
Dabei können folgende Informationen enthalten sein:
- Produkt
- Menge
- gewünschter Liefertermin
- Lieferadresse
- technische Spezifikation
Bestellung
Nach Auswahl des Lieferanten wird die Anfrage zur Bestellung.
Wareneingang
Nach Lieferung wird geprüft, ob:
- richtige Ware
- richtige Menge
- richtige Charge
- richtige Seriennummer
- richtige Qualität
geliefert wurde.
Lieferantenrechnung
Die Rechnung wird anschließend mit den Einkaufsdaten abgeglichen.
Der vollständige Prozess kann so aussehen:
Bedarf
→ Anfrage
→ Lieferantenauswahl
→ Bestellung
→ Wareneingang
→ Rechnungsprüfung
→ Zahlung
Damit entsteht ein nachvollziehbarer Procure-to-Pay-Prozess.
Welche Beschaffungsarten benötige ich?
Nicht jeder Artikel sollte auf dieselbe Weise beschafft werden.
Typische Beschaffungsarten sind:
Lagerbeschaffung
Produkte werden auf Vorrat eingekauft.
Geeignet für:
- häufig benötigte Artikel
- Standardmaterial
- Verbrauchsmaterial
Mindestbestand / Nachbestellung
Sinkt der Bestand unter einen definierten Wert, wird Beschaffungsbedarf erzeugt.
Make-to-Order
Erst ein Kundenauftrag löst den Einkauf aus.
Geeignet für:
- selten verkaufte Produkte
- teure Artikel
- kundenspezifische Produkte
projektbezogene Beschaffung
Material oder Dienstleistungen werden direkt für ein bestimmtes Projekt eingekauft.
Dropshipping
Der Lieferant liefert direkt an den Endkunden.
Rahmenvertrag
Regelmäßige Mengen werden zu vereinbarten Konditionen bezogen.
Vor der Einrichtung sollte pro Produktgruppe geklärt werden:
- Wird auf Lager gekauft?
- Wird nur bei konkretem Bedarf bestellt?
- Gibt es mehrere Lieferanten?
- Welche Lieferzeiten gelten?
- Welche Mindestmengen gelten?
- Muss der Einkauf manuell entscheiden?
Eine falsche Beschaffungsstrategie kann entweder zu Fehlbeständen oder zu unnötig hohen Lagerbeständen führen.
Wie definiere ich Verantwortlichkeiten?
Ein digitaler Einkaufsprozess funktioniert nur dann sauber, wenn Zuständigkeiten klar geregelt sind.
Mögliche Rollen sind:
Bedarfsmelder
Meldet, dass Material oder eine Dienstleistung benötigt wird.
Einkäufer
Prüft Bedarf, Lieferanten und Konditionen.
Einkaufsleitung
Genehmigt größere oder strategische Bestellungen.
Lager
Prüft und bestätigt Wareneingänge.
Fachabteilung
Prüft bei Bedarf Qualität oder technische Spezifikation.
Buchhaltung
Prüft Lieferantenrechnung und Zahlungsfreigabe.
Für jeden Schritt sollte klar definiert werden:
- Wer darf ihn starten?
- Wer bearbeitet ihn?
- Wer darf freigeben?
- Wer sieht den Status?
- Was passiert bei Abwesenheit?
Ein Beispiel:
Bedarf > 10.000 €
→ Einkäufer erstellt Bestellung
→ Einkaufsleitung prüft
→ Geschäftsführung genehmigt
→ Bestellung wird versendet
Klare Verantwortlichkeiten verhindern, dass Bestellungen doppelt oder ohne Freigabe ausgelöst werden.
Wie übernehme ich bestehende Lieferanten und Einkaufsdaten?
Vor der Migration sollte geprüft werden, welche Daten tatsächlich benötigt werden.
Typische Lieferantendaten sind:
- Firmenname
- Ansprechpartner
- Adresse
- Telefonnummer
- USt-ID
- Zahlungsbedingungen
- Lieferbedingungen
- Währung
- Lieferzeit
- Lieferantenreferenz
- Produktpreise
- Mindestbestellmengen
Typische Probleme in Altbeständen sind:
- doppelte Lieferanten
- veraltete Ansprechpartner
- alte Preislisten
- uneinheitliche Lieferantennamen
- fehlende Zahlungsbedingungen
- unterschiedliche Artikelnummern
Ein sinnvoller Ablauf ist:
Daten exportieren
→ Dubletten entfernen
→ Lieferanten vereinheitlichen
→ Preise und Konditionen prüfen
→ Felder Odoo zuordnen
→ Testimport
→ fachliche Prüfung
→ finaler Import
Nicht jede alte Einkaufsbestellung muss zwingend migriert werden. Häufig reichen aktive Lieferanten, aktuelle Preise und offene Vorgänge.
Wie verbinde ich Einkauf und Lager?
Die Verbindung zwischen Einkauf und Lager ist besonders wichtig.
Wenn eine Bestellung bestätigt wird, sollte klar sein, welche Ware wann erwartet wird.
Ein möglicher Ablauf:
Bestellung bestätigt
→ erwarteter Wareneingang wird erzeugt
→ Lager sieht geplante Lieferung
→ Ware trifft ein
→ Wareneingang wird bestätigt
→ Bestand wird aktualisiert
Dadurch kann der Einkauf jederzeit sehen:
- Was wurde bestellt?
- Was wurde bereits geliefert?
- Was fehlt noch?
- Welche Lieferung ist verspätet?
Das Lager wiederum weiß:
- Was kommt wann?
- Von welchem Lieferanten?
- In welcher Menge?
- Für welchen Auftrag oder welches Projekt?
Zusätzlich können Chargen, Seriennummern, Qualitätsprüfung und Einlagerung direkt in den Prozess integriert werden.
Wie verbinde ich Einkauf und Buchhaltung?
Auch Einkauf und Buchhaltung sollten nicht getrennt arbeiten.
Der ideale Prozess verbindet:
Bestellung
→ Wareneingang
→ Lieferantenrechnung
Dabei kann geprüft werden:
- Stimmt der Lieferant?
- Stimmen Produkte?
- Stimmen Mengen?
- Stimmen Preise?
- Stimmen Steuern?
- Wurde die Ware tatsächlich geliefert?
Je nach Unternehmen kann dabei ein Zwei- oder Drei-Wege-Abgleich sinnvoll sein.
Zwei-Wege-Abgleich
Bestellung ↔ Rechnung
Drei-Wege-Abgleich
Bestellung ↔ Wareneingang ↔ Rechnung
Der Drei-Wege-Abgleich ist besonders hilfreich, wenn nur tatsächlich gelieferte Mengen bezahlt werden sollen.
Dadurch werden fehlerhafte oder zu hohe Rechnungen schneller erkannt.
Welche Freigaben sind sinnvoll?
Nicht jede Bestellung benötigt denselben Freigabeprozess.
Zu viele Freigaben bremsen den Einkauf, zu wenige erhöhen das Risiko unkontrollierter Ausgaben.
Sinnvolle Kriterien können sein:
- Bestellwert
- Produktkategorie
- Lieferant
- Abteilung
- Projekt
- Budget
- Mitarbeiterrolle
Ein Beispiel:
bis 1.000 €
→ Einkäufer darf selbst bestellen
1.000–10.000 €
→ Einkaufsleitung genehmigt
über 10.000 €
→ Geschäftsführung genehmigt
Zusätzlich können Sonderregeln gelten.
Beispiel:
neuer Lieferant
→ zusätzliche Freigabe
oder:
Bestellung außerhalb des Budgets
→ Controlling prüft
Wichtig ist, Freigaben nachvollziehbar und möglichst einfach zu halten.
Wie teste ich den vollständigen Einkaufsprozess?
Vor dem Go-live sollten verschiedene reale Einkaufsfälle vollständig getestet werden.
Testfall 1: Standardbestellung
- Bedarf
- Anfrage
- Bestellung
- Wareneingang
- Rechnung
- Zahlung
Testfall 2: Teillieferung
- 100 Stück bestellt
- 60 geliefert
- Restmenge offen
- Rechnung prüfen
Testfall 3: Preisabweichung
- Bestellung zu 10 €
- Rechnung zu 11 €
- Abweichung erkennen
Testfall 4: Mengenabweichung
- 100 bestellt
- 90 geliefert
- Rechnung über 100
Testfall 5: Beschädigte Ware
- Wareneingang
- Qualitätsabweichung
- Retoure zum Lieferanten
Testfall 6: automatische Beschaffung
- Mindestbestand unterschritten
- Bedarf erzeugt
- Bestellung erstellt
Testfall 7: Freigabepflichtige Bestellung
- Bestellung über Grenzwert
- Freigabe
- Bestellung versenden
Testfall 8: Make-to-Order
- Kundenauftrag
- automatische Beschaffung
- Wareneingang
- Kundenlieferung
Getestet werden sollten dabei nicht nur technische Funktionen, sondern auch Rollen, Rechte und Verantwortlichkeiten.
Welche Schritte lassen sich im Einkauf automatisieren?
Ein digitaler Einkaufsprozess bietet viele Automatisierungsmöglichkeiten.
Bedarf automatisch erkennen
Zum Beispiel durch:
- Mindestbestände
- Meldebestände
- Kundenaufträge
- Produktionsbedarf
Anfragen erzeugen
Beschaffungsbedarf kann in Einkaufsanfragen überführt werden.
Lieferanten automatisch berücksichtigen
Bevorzugte Lieferanten, Preise und Lieferzeiten können hinterlegt werden.
Freigaben starten
Bestellungen über einem definierten Wert können automatisch in einen Freigabeprozess gehen.
Wareneingänge vorbereiten
Bestätigte Bestellungen erzeugen erwartete Lieferungen.
Rechnungsprüfung unterstützen
Bestellung, Wareneingang und Rechnung können automatisch miteinander verglichen werden.
Aktivitäten erzeugen
Beispiele:
Liefertermin überschritten
→ Einkäufer informieren
oder:
Preisabweichung zu hoch
→ Prüfung erforderlich
Automatisierung sollte jedoch erst erfolgen, nachdem der Standardprozess eindeutig definiert wurde.
Welche Einkaufs-KPIs sollte ich messen?
Ein digitaler Beschaffungsprozess ermöglicht eine deutlich bessere Einkaufssteuerung.
Wichtige Kennzahlen sind:
Einkaufsvolumen
Wie hoch ist das gesamte Beschaffungsvolumen?
Einkaufsvolumen je Lieferant
Welche Lieferanten haben den größten Anteil?
Preisentwicklung
Wie verändern sich Einkaufspreise?
Bestelldurchlaufzeit
Wie lange dauert es vom Bedarf bis zur Bestellung?
Lieferzeit
Wie lange benötigt ein Lieferant tatsächlich?
Liefertermintreue
Wie viele Bestellungen kommen pünktlich?
Mengenabweichungen
Wie häufig weichen Liefermengen ab?
Preisabweichungen
Wie häufig stimmen Rechnung und Bestellung nicht überein?
Bestellfreigabezeit
Wie lange dauert eine Genehmigung?
Automatisierungsquote
Wie viele Bestellungen entstehen automatisch?
Maverick Buying
Wie viele Einkäufe erfolgen außerhalb definierter Prozesse oder Lieferanten?
Beschaffungskosten
Wie hoch sind Kosten für Transport, Zoll oder andere Nebenkosten?
Diese Kennzahlen helfen dabei, Einkauf nicht nur administrativ zu verwalten, sondern strategisch zu optimieren.
Typische Odoo-Module für den Beschaffungsprozess
Je nach Geschäftsmodell können insbesondere folgende Anwendungen relevant sein:
- Odoo Einkauf
- Odoo Lager
- Odoo Barcode
- Odoo Buchhaltung
- Odoo Genehmigungen
- Odoo Verkauf
- Odoo Fertigung
- Odoo Qualität
- Odoo Dokumente
- Odoo Projekte
Die genaue Kombination hängt davon ab, wodurch Bedarf entsteht und wie eng Einkauf mit Lager, Produktion, Projekten und Buchhaltung verbunden werden soll.
Beispiel für einen vollständig digitalen Procure-to-Pay-Prozess
Bedarf
↓
entweder:
manuelle Anforderung
oder
Mindestbestand
oder
Kundenauftrag
oder
Produktionsbedarf
↓
Einkaufsanfrage
↓
Lieferantenvergleich
↓
Bestellung
↓
gegebenenfalls:
Freigabe
↓
Bestellung an Lieferanten
↓
Wareneingang
↓
Mengen- und Qualitätsprüfung
↓
Einlagerung
↓
Lieferantenrechnung
↓
Abgleich mit Bestellung und Wareneingang
↓
Freigabe
↓
Zahlung
↓
Auswertung von Preisen, Lieferzeiten und Lieferantenperformance
Damit entsteht ein durchgängiger Procure-to-Pay-Prozess ohne unnötige Medienbrüche.
Fazit: Einkauf als durchgängigen Beschaffungsprozess organisieren
Die Digitalisierung des Einkaufs sollte nicht bei der elektronischen Bestellung enden. Der eigentliche Nutzen entsteht, wenn Bedarf, Lieferantenauswahl, Bestellung, Wareneingang, Rechnungsprüfung und Buchhaltung miteinander verbunden werden.
Die sinnvolle Reihenfolge lautet:
Ist-Prozess analysieren → Beschaffungsarten definieren → Verantwortlichkeiten festlegen → Lieferantendaten bereinigen → Einkauf und Lager verbinden → Einkauf und Buchhaltung verbinden → Freigaben einrichten → testen → automatisieren → KPIs messen → kontinuierlich optimieren.
So entwickelt sich der Einkauf von einer reinen Bestellfunktion zu einem transparenten und steuerbaren Procure-to-Pay-Prozess.
Lieferantenmanagement mit Odoo digitalisieren
Ein professionelles Lieferantenmanagement geht weit über die reine Pflege von Kontaktdaten hinaus. Entscheidend ist, Preise, Lieferzeiten, Konditionen, Qualität, Zuverlässigkeit, Dokumente und Einkaufsvolumen strukturiert auszuwerten.
In vielen Unternehmen liegen diese Informationen verteilt in E-Mails, Excel-Dateien, Einkaufsordnern oder im Wissen einzelner Mitarbeiter. Dadurch ist schwer nachvollziehbar, welcher Lieferant aktuell die besten Konditionen bietet, wie zuverlässig Liefertermine eingehalten werden oder welche Abhängigkeiten bestehen.
Mit Odoo lassen sich Lieferanteninformationen eng mit Einkauf, Lager, Produkten, Rechnungen und Qualitätsprozessen verbinden. So entsteht eine zentrale Grundlage für operative Beschaffung und strategische Lieferantensteuerung.
Wo fange ich beim Aufbau eines digitalen Lieferantenmanagements an?
Der erste Schritt ist eine Bestandsaufnahme aller bestehenden Lieferanten und der Prozesse, in denen sie verwendet werden.
Dabei sollten unter anderem folgende Fragen beantwortet werden:
- Welche Lieferanten sind aktuell aktiv?
- Welche Produkte oder Dienstleistungen beziehen wir von ihnen?
- Welche Lieferanten sind besonders wichtig?
- Welche Preise und Konditionen gelten?
- Welche Lieferzeiten wurden vereinbart?
- Welche Lieferanten liefern dieselben Produkte?
- Welche Mindestbestellmengen gibt es?
- Welche Zahlungsbedingungen gelten?
- Welche Qualitätsprobleme sind bekannt?
- Welche Dokumente müssen regelmäßig geprüft werden?
- Welche Lieferanteninformationen liegen nur in E-Mails oder Excel-Dateien?
Anschließend sollte ein einheitliches Lieferantenmodell definiert werden.
Ein möglicher Aufbau lautet:
Lieferant
→ Kontaktdaten
→ Produkte
→ Preise
→ Lieferzeiten
→ Mindestmengen
→ Bestellungen
→ Wareneingänge
→ Rechnungen
→ Qualität
→ Dokumente
→ Bewertung
Ziel ist eine zentrale Lieferantenakte, die operative und strategische Informationen zusammenführt.
Welche Lieferantendaten sollte ich erfassen?
Nicht jedes Unternehmen benötigt dieselben Daten. Grundsätzlich sollten nur Informationen gepflegt werden, die tatsächlich für Einkauf, Buchhaltung oder Bewertung benötigt werden.
Typische Stammdaten sind:
- Firmenname
- Ansprechpartner
- Anschrift
- E-Mail-Adresse
- Telefonnummer
- Website
- USt-ID
- Steuernummer
- Sprache
- Währung
- Bankverbindung
- Zahlungsbedingungen
- Lieferbedingungen
- Incoterms
- Lieferzeit
- Lieferantenreferenz
- interne Lieferantennummer
- Produktgruppen
- zuständiger Einkäufer
Zusätzlich können strategische Informationen sinnvoll sein:
- Lieferantenkategorie
- Kritikalität
- Hauptlieferant / Alternativlieferant
- Qualitätsstatus
- Zertifizierungen
- Vertragslaufzeit
- Risikoklasse
- Region
- Produktionsstandort
Wichtig ist, Pflichtfelder mit Bedacht zu definieren. Zu viele Pflichtangaben führen häufig zu unvollständigen oder erfundenen Daten.
Wie verwalte ich mehrere Lieferanten pro Produkt?
Viele Produkte können von mehreren Lieferanten bezogen werden.
Beispiel:
Produkt A
- Lieferant 1: 8,50 €, Lieferzeit 5 Tage
- Lieferant 2: 8,20 €, Lieferzeit 14 Tage
- Lieferant 3: 9,10 €, Lieferzeit 2 Tage
Der günstigste Lieferant ist damit nicht automatisch immer der beste.
In Odoo können mehrere Lieferanteninformationen pro Produkt hinterlegt werden.
Wichtige Kriterien sind:
- Einkaufspreis
- Mindestmenge
- Lieferzeit
- Lieferantenartikelnummer
- Gültigkeitszeitraum
- Währung
- Priorität
Dadurch kann der Einkauf bei jeder Beschaffung besser entscheiden, welcher Lieferant für die jeweilige Situation geeignet ist.
Ein sinnvoller Prozess kann lauten:
Bedarf entsteht
→ verfügbare Lieferanten prüfen
→ Preis vergleichen
→ Lieferzeit prüfen
→ Mindestmenge berücksichtigen
→ passenden Lieferanten auswählen
Wie hinterlege ich Preise und Lieferzeiten?
Lieferantenpreise sollten nicht ausschließlich in PDF-Preislisten oder E-Mails gespeichert werden.
Sinnvoll ist eine strukturierte Pflege direkt am Produkt.
Dabei können beispielsweise hinterlegt werden:
- Lieferant
- Preis
- Währung
- Mindestmenge
- Lieferzeit
- Lieferantenartikelnummer
- Gültigkeitszeitraum
Beispiel:
1–99 Stück
10,00 €
100–499 Stück
9,20 €
ab 500 Stück
8,50 €
Zusätzlich kann eine Lieferzeit hinterlegt werden.
Beispiel:
Standardlieferzeit: 7 Tage
Diese Information kann später bei Bedarfs- und Terminplanung berücksichtigt werden.
Wichtig ist, Einkaufspreise regelmäßig zu überprüfen. Veraltete Preise führen zu falschen Kalkulationen und Margen.
Wie berücksichtige ich Mindestbestellmengen?
Viele Lieferanten arbeiten mit Mindestbestellmengen oder Verpackungseinheiten.
Beispiele:
- mindestens 10 Stück
- nur volle Kartons mit 24 Stück
- Mindestauftragswert 500 €
- Palette mit 500 Stück
Diese Regeln sollten möglichst bereits bei der Beschaffung berücksichtigt werden.
Ein Beispiel:
Bedarf:
17 Stück
Lieferant verkauft nur Kartons mit:
10 Stück
Dann kann eine Bestellung über:
20 Stück
notwendig sein.
Bei der Planung sollte deshalb geklärt werden:
- Gibt es Mindestbestellmengen?
- Gibt es Verpackungseinheiten?
- Gibt es Mindestauftragswerte?
- Gibt es Staffelpreise?
- Wie sollen Restmengen behandelt werden?
Diese Informationen beeinflussen nicht nur den Einkauf, sondern auch Lagerbestand und Kapitalbindung.
Wie verwalte ich Zahlungs- und Lieferbedingungen?
Lieferanten haben häufig unterschiedliche Konditionen.
Zahlungsbedingungen
Beispiele:
- sofort
- 14 Tage netto
- 30 Tage netto
- 2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen
Lieferbedingungen
Beispiele:
- frei Haus
- ab Werk
- bestimmte Incoterms
- definierte Lieferorte
Diese Informationen sollten möglichst direkt am Lieferanten hinterlegt werden.
Dadurch werden sie bei neuen Bestellungen automatisch berücksichtigt.
Wichtig ist, Konditionen regelmäßig zu überprüfen, insbesondere wenn:
- Rahmenverträge neu verhandelt werden
- Zahlungsziele geändert werden
- Preise steigen
- Lieferbedingungen angepasst werden
Eine zentrale Pflege verhindert, dass jeder Einkäufer mit unterschiedlichen oder veralteten Konditionen arbeitet.
Wie bewerte ich Lieferanten?
Eine Lieferantenbewertung sollte auf nachvollziehbaren Kriterien basieren.
Statt subjektiver Bewertungen wie „Lieferant ist gut“ sollten möglichst messbare Daten verwendet werden.
Ein möglicher Bewertungsprozess lautet:
Bestellungen
→ Wareneingänge
→ Lieferzeiten
→ Mengenabweichungen
→ Qualitätsprobleme
→ Preisniveau
→ Bewertung
Die Bewertung kann regelmäßig erfolgen, beispielsweise:
- monatlich
- quartalsweise
- halbjährlich
- jährlich
Wichtig ist, dass die Bewertung einen Zweck verfolgt.
Beispielsweise:
- bevorzugte Lieferanten identifizieren
- kritische Lieferanten erkennen
- Konditionen neu verhandeln
- Alternativlieferanten aufbauen
- Qualitätsmaßnahmen einleiten
Welche Kriterien eignen sich für eine Lieferantenbewertung?
Je nach Unternehmen können unterschiedliche Kriterien relevant sein.
Preis
Wie wettbewerbsfähig ist der Lieferant?
Liefertermintreue
Wie häufig wird zum zugesagten Termin geliefert?
Lieferzeit
Wie lange dauert die tatsächliche Lieferung?
Qualität
Wie viele Lieferungen enthalten Fehler oder Qualitätsmängel?
Mengentreue
Stimmen bestellte und gelieferte Mengen überein?
Reaktionsgeschwindigkeit
Wie schnell beantwortet der Lieferant Anfragen?
Flexibilität
Wie gut reagiert der Lieferant auf kurzfristige Änderungen?
Reklamationsbearbeitung
Wie schnell werden Probleme gelöst?
Zahlungsbedingungen
Wie attraktiv sind die Konditionen?
Zertifizierungen
Sind notwendige Zertifikate vorhanden und gültig?
Versorgungssicherheit
Wie zuverlässig ist die langfristige Lieferfähigkeit?
Eine gewichtete Bewertung könnte beispielsweise so aussehen:
- Qualität: 30 %
- Liefertermintreue: 25 %
- Preis: 20 %
- Lieferzeit: 10 %
- Service: 10 %
- Flexibilität: 5 %
Die Gewichtung sollte zur eigenen Beschaffungsstrategie passen.
Wie vergleiche ich Preis und Lieferperformance?
Der günstigste Lieferant ist nicht automatisch der wirtschaftlichste.
Beispiel:
Lieferant A
Preis: 8,00 €
Lieferzeit: 20 Tage
Termintreue: 75 %
Lieferant B
Preis: 8,40 €
Lieferzeit: 5 Tage
Termintreue: 98 %
Lieferant B ist zwar teurer, kann aber durch bessere Lieferfähigkeit Fehlbestände, Produktionsstillstände oder verspätete Kundenlieferungen vermeiden.
Deshalb sollten Preis und Performance gemeinsam betrachtet werden.
Sinnvolle Kennzahlen sind:
- durchschnittlicher Einkaufspreis
- Preisentwicklung
- durchschnittliche Lieferzeit
- Liefertermintreue
- Fehlmengen
- Reklamationsquote
- Qualitätskosten
So kann der Einkauf besser beurteilen, welcher Lieferant tatsächlich den größten wirtschaftlichen Nutzen bietet.
Wie strukturiere ich Lieferantendokumente?
Zu einem Lieferanten gehören häufig viele Dokumente.
Beispiele:
- Verträge
- Preislisten
- Zertifikate
- Rahmenvereinbarungen
- Qualitätsnachweise
- Produktdatenblätter
- Sicherheitsdatenblätter
- Versicherungsausweise
- Bankinformationen
- Geheimhaltungsvereinbarungen
- Korrespondenz
Diese Dokumente sollten nicht nur auf einem Netzlaufwerk gespeichert werden.
Sinnvoll ist eine Struktur nach:
Lieferant
→ Verträge
→ Preise
→ Zertifikate
→ Produktunterlagen
→ Qualitätsdokumente
→ Bestellungen
Wichtig ist zusätzlich:
- Wer darf Dokumente sehen?
- Welche Dokumente haben Ablaufdaten?
- Welche Version ist aktuell?
- Wann muss ein Zertifikat erneuert werden?
So wird aus einer Dateiablage eine digitale Lieferantenakte.
Wie verbessere ich die Datenqualität?
Lieferantendaten verlieren ohne klare Regeln schnell an Qualität.
Typische Probleme sind:
- doppelte Lieferanten
- unterschiedliche Schreibweisen
- veraltete Ansprechpartner
- ungültige Preise
- falsche Lieferzeiten
- abgelaufene Zertifikate
- fehlende Zahlungsbedingungen
Sinnvolle Maßnahmen sind:
Verantwortlichkeiten definieren
Wer darf Lieferanten anlegen und ändern?
Pflichtfelder festlegen
Nur notwendige Informationen verpflichtend machen.
Dubletten vermeiden
Vor der Neuanlage nach bestehenden Datensätzen suchen.
Preise regelmäßig prüfen
Veraltete Konditionen archivieren oder aktualisieren.
Ansprechpartner aktuell halten
Nicht mehr aktive Kontakte entfernen.
Dokumente überwachen
Ablaufdaten wichtiger Zertifikate kontrollieren.
Datenqualität auswerten
Beispielsweise:
- Lieferanten ohne Zahlungsbedingungen
- Produkte ohne Lieferzeit
- Lieferanten ohne Ansprechpartner
- abgelaufene Dokumente
Datenqualität sollte als kontinuierliche Aufgabe betrachtet werden.
Wie erkenne ich strategisch wichtige Lieferanten?
Nicht jeder Lieferant benötigt dieselbe Aufmerksamkeit.
Strategisch wichtig können beispielsweise Lieferanten sein, die:
- einen großen Anteil des Einkaufsvolumens abdecken
- kritische Komponenten liefern
- schwer ersetzbar sind
- lange Lieferzeiten haben
- kundenspezifische Produkte herstellen
- besonderes technisches Know-how besitzen
- für zentrale Produktionsprozesse notwendig sind
Eine einfache Klassifizierung kann helfen.
A-Lieferanten
Hoher strategischer Wert oder hohes Einkaufsvolumen.
B-Lieferanten
Wichtig, aber ersetzbar.
C-Lieferanten
Geringes Volumen und geringe strategische Bedeutung.
Zusätzlich sollte das Risiko betrachtet werden.
Ein Lieferant kann beispielsweise nur wenig Einkaufsvolumen besitzen, aber trotzdem kritisch sein, wenn nur er ein bestimmtes Bauteil liefern kann.
Daher ist eine Kombination sinnvoll aus:
Einkaufsvolumen
Versorgungsrisiko
strategischer Bedeutung
Damit lassen sich Lieferanten identifizieren, für die beispielsweise Zweitquellen, Rahmenverträge oder engere Qualitätskontrollen sinnvoll sind.
Welche Lieferanten-KPIs sollte ich messen?
Für ein professionelles Lieferantenmanagement können insbesondere folgende Kennzahlen genutzt werden:
Einkaufsvolumen je Lieferant
Wie viel wird pro Lieferant eingekauft?
Preisentwicklung
Wie verändern sich Preise über die Zeit?
Liefertermintreue
Wie viele Lieferungen kommen pünktlich?
Durchschnittliche Lieferzeit
Wie lange benötigt ein Lieferant tatsächlich?
Qualitätsquote
Wie viele Lieferungen sind fehlerfrei?
Reklamationsquote
Wie häufig entstehen Beanstandungen?
Mengentreue
Wie häufig stimmen bestellte und gelieferte Mengen überein?
Preisabweichung
Wie häufig unterscheiden sich Rechnung und Bestellung?
Lieferantenkonzentration
Wie abhängig ist das Unternehmen von einzelnen Lieferanten?
Anteil Single Source
Für wie viele kritische Produkte gibt es nur einen Lieferanten?
Einkaufsvolumen A-/B-/C-Lieferanten
Wie verteilt sich das Beschaffungsvolumen?
Diese Kennzahlen ermöglichen eine fundiertere Lieferantenstrategie.
Typische Odoo-Module für digitales Lieferantenmanagement
Je nach gewünschtem Umfang können insbesondere folgende Anwendungen relevant sein:
- Odoo Einkauf
- Odoo Kontakte
- Odoo Lager
- Odoo Buchhaltung
- Odoo Qualität
- Odoo Dokumente
- Odoo Genehmigungen
- Odoo Fertigung
- Odoo Tabellenkalkulation
- Odoo Reporting
Der größte Mehrwert entsteht durch die Verbindung von Lieferantenstammdaten mit realen Bestellungen, Lieferungen, Rechnungen und Qualitätsinformationen.
Beispiel für einen digitalen Lieferantenmanagement-Prozess
Lieferant anlegen
↓
Stammdaten prüfen
↓
Produkte zuordnen
↓
Preise und Mindestmengen hinterlegen
↓
Lieferzeiten definieren
↓
Zahlungs- und Lieferbedingungen festlegen
↓
Bestellungen durchführen
↓
Wareneingänge messen
↓
Qualität bewerten
↓
Rechnungs- und Preisabweichungen analysieren
↓
Lieferanten-KPIs auswerten
↓
Lieferanten klassifizieren
↓
Konditionen optimieren / Alternativlieferanten aufbauen
Damit entwickelt sich die Lieferantenverwaltung von einer einfachen Adressliste zu einem steuerbaren Beschaffungsinstrument.
Fazit: Lieferantenmanagement mit Einkaufsdaten verbinden
Ein digitales Lieferantenmanagement sollte nicht nur Unternehmensnamen und Ansprechpartner speichern. Entscheidend ist, Lieferanten mit Produkten, Preisen, Lieferzeiten, Bestellungen, Wareneingängen, Rechnungen, Qualität und Dokumenten zu verbinden.
Die sinnvolle Reihenfolge lautet:
Lieferantenbestand analysieren → Stammdaten bereinigen → Produkt-Lieferanten-Beziehungen aufbauen → Preise und Konditionen pflegen → Performance messen → Dokumente strukturieren → Lieferanten bewerten → Risiken erkennen → strategische Lieferanten entwickeln → kontinuierlich optimieren.
So entsteht aus der klassischen Lieferantenverwaltung ein datenbasiertes Lieferantenmanagement, das Einkaufskosten, Versorgungssicherheit und Qualität gleichzeitig berücksichtigt.
Bestellfreigaben mit Odoo digitalisieren
Bestellfreigaben sorgen dafür, dass Einkäufe kontrolliert, nachvollziehbar und innerhalb definierter Budgets erfolgen. In vielen Unternehmen werden Freigaben noch per E-Mail, Zuruf oder über manuell gepflegte Excel-Listen gesteuert. Das führt zu Verzögerungen, fehlender Transparenz und der Gefahr, dass Bestellungen ohne ausreichende Prüfung ausgelöst werden.
Mit Odoo lassen sich Einkaufsfreigaben strukturiert in den Beschaffungsprozess integrieren. Dabei können beispielsweise Betragsgrenzen, Verantwortlichkeiten, Abteilungen, Lieferanten oder Produktgruppen berücksichtigt werden.
Ziel sollte nicht sein, möglichst viele Freigabestufen einzubauen. Ein guter Freigabeprozess kontrolliert Risiken, ohne den Einkauf unnötig zu verlangsamen.
Wo brauche ich Einkaufsfreigaben?
Nicht jede Bestellung benötigt eine zusätzliche Genehmigung.
Freigaben sind besonders sinnvoll, wenn ein finanzielles, operatives oder strategisches Risiko besteht.
Typische Fälle sind:
- Bestellungen über einem bestimmten Betrag
- neue Lieferanten
- außergewöhnlich hohe Mengen
- Bestellungen außerhalb eines Budgets
- nicht geplante Investitionen
- Einkauf bestimmter Produktgruppen
- Bestellungen bei kritischen Lieferanten
- Sonderkonditionen
- Vorauszahlungen
- langfristige Verträge
- Beschaffung außerhalb vereinbarter Rahmenverträge
Der erste Schritt besteht daher darin, bestehende Einkaufsentscheidungen zu analysieren.
Wichtige Fragen sind:
- Welche Bestellungen werden heute bereits geprüft?
- Warum werden sie geprüft?
- Wer entscheidet?
- Welche Beträge sind kritisch?
- Welche Bestellungen verursachen besondere Risiken?
- Wo entstehen aktuell unnötige Verzögerungen?
- Welche Bestellungen könnten ohne zusätzliche Prüfung durchlaufen?
Ein sinnvoller Grundsatz lautet:
Standardfälle möglichst einfach – Ausnahmefälle kontrolliert.
Welche Bestellungen sollten automatisch freigegeben werden?
Automatische Freigaben eignen sich für wiederkehrende und risikoarme Beschaffungen.
Beispiele:
- Standardartikel
- kleine Bestellwerte
- genehmigte Lieferanten
- definierte Rahmenverträge
- regelmäßig benötigtes Verbrauchsmaterial
- automatische Nachbestellungen innerhalb festgelegter Grenzen
Ein Beispiel:
Bestellwert unter 500 €
freigegebener Lieferant
Produkt aus Standardkategorie
→ Bestellung kann ohne zusätzliche Genehmigung bestätigt werden.
Dagegen könnte gelten:
Bestellwert über 5.000 €
→ Freigabe durch Einkaufsleitung erforderlich.
Automatische Freigaben reduzieren Bearbeitungszeit und verhindern, dass Verantwortliche mit Routineentscheidungen belastet werden.
Vor der Automatisierung sollte jedoch klar sein:
- Welche Bestellungen sind wirklich risikoarm?
- Welche Lieferanten gelten als freigegeben?
- Welche Produkte sind kritisch?
- Welche Budgets gelten?
- Welche Ausnahmen dürfen nicht automatisch freigegeben werden?
Wie definiere ich Freigabegrenzen nach Betrag?
Betragsabhängige Freigaben gehören zu den häufigsten Einkaufsregeln.
Ein einfaches Modell kann so aussehen:
Bis 500 €
Einkäufer darf selbst bestätigen.
500–5.000 €
Freigabe durch Team- oder Abteilungsleitung.
5.000–25.000 €
Freigabe durch Einkaufsleitung.
Über 25.000 €
Freigabe durch Geschäftsführung.
Diese Grenzen sollten nicht willkürlich festgelegt werden.
Sie sollten sich orientieren an:
- Unternehmensgröße
- Einkaufsvolumen
- Budgetstruktur
- Verantwortungsbereichen
- Risikoprofil
- Produktarten
Zusätzlich kann zwischen unterschiedlichen Kategorien unterschieden werden.
Beispiel:
Büromaterial
höhere automatische Freigabegrenze
während:
Investitionsgüter
niedrigere Freigabegrenze
Wichtig ist, dass die Regeln einfach verständlich bleiben.
Wie bilde ich mehrstufige Freigaben ab?
Bei größeren oder risikoreicheren Bestellungen kann eine einzelne Genehmigung nicht ausreichen.
Ein mehrstufiger Prozess könnte beispielsweise so aussehen:
Bestellung über 20.000 €
→ Abteilungsleitung
→ Einkauf
→ Controlling
→ Geschäftsführung
Dabei sollte jede Stufe einen klaren Prüfauftrag besitzen.
Fachabteilung
Prüft Bedarf und fachliche Notwendigkeit.
Einkauf
Prüft Lieferant, Preis und Konditionen.
Controlling
Prüft Budget und finanzielle Auswirkungen.
Geschäftsführung
Entscheidet bei strategisch oder finanziell wichtigen Beschaffungen.
Wichtig ist, doppelte Prüfungen zu vermeiden.
Wenn jede Person dieselben Informationen kontrolliert, wird der Prozess langsam, ohne zusätzlichen Nutzen zu schaffen.
Für jede Stufe sollte daher definiert werden:
- Was wird geprüft?
- Welche Informationen werden benötigt?
- Welche Entscheidungsmöglichkeiten gibt es?
- Wie lange darf die Bearbeitung dauern?
- Was passiert bei Ablehnung?
Wie unterscheiden sich Freigaben nach Mitarbeiter oder Abteilung?
Nicht jeder Mitarbeiter und nicht jede Abteilung benötigt dieselben Regeln.
Ein Produktionsleiter kann beispielsweise andere Einkaufsbefugnisse besitzen als ein Mitarbeiter aus dem Marketing.
Mögliche Kriterien sind:
- Mitarbeiter
- Rolle
- Abteilung
- Standort
- Gesellschaft
- Produktkategorie
- Budgetstelle
Beispiel:
IT-Abteilung
IT-Leitung darf Hardware bis 5.000 € selbst freigeben.
Marketing
Marketing-Leitung darf Kampagnenausgaben bis 2.000 € freigeben.
Produktion
Produktionsleitung darf Rohmaterial bis 10.000 € freigeben.
Damit lassen sich Verantwortlichkeiten näher an der tatsächlichen Organisation abbilden.
Wichtig ist, Freigaberechte regelmäßig zu überprüfen, insbesondere bei:
- Stellenwechsel
- Mitarbeiterwechsel
- neuen Abteilungen
- geänderten Budgets
- organisatorischen Veränderungen
Wie verhindere ich Umgehungen des Freigabeprozesses?
Ein Freigabeprozess funktioniert nur dann, wenn er nicht einfach umgangen werden kann.
Typische Umgehungen sind:
- Bestellung wird außerhalb von Odoo per E-Mail ausgelöst
- große Bestellung wird in mehrere kleine Bestellungen aufgeteilt
- Mitarbeiter bestätigen Bestellungen ohne Berechtigung
- Lieferant wird direkt beauftragt
- nachträgliche Bestellung wird erst nach Wareneingang angelegt
Um das zu vermeiden, helfen organisatorische und technische Maßnahmen.
Klare Einkaufsrichtlinien
Mitarbeiter müssen wissen, ab wann ein Bestellprozess verpflichtend ist.
Rollen und Berechtigungen
Nicht jeder Benutzer sollte Bestellungen selbst bestätigen können.
Freigabegrenzen
Beträge sollten automatisch geprüft werden.
Lieferantenkommunikation
Lieferanten sollten nur Bestellungen akzeptieren, die über den definierten Prozess ausgelöst wurden.
Auswertung von Bestellsplitting
Mehrere ähnliche Bestellungen kurz hintereinander können auffällig sein.
Nachträgliche Kontrolle
Ausnahmen sollten regelmäßig analysiert werden.
Das Ziel ist nicht maximale Kontrolle, sondern ein Prozess, der klar und einfach genug ist, damit Mitarbeiter ihn auch tatsächlich nutzen.
Wie dokumentiere ich Entscheidungen?
Freigaben sollten nachvollziehbar dokumentiert werden.
Wichtige Informationen sind:
- wer hat beantragt?
- wer hat geprüft?
- wer hat genehmigt?
- wann wurde entschieden?
- welcher Betrag wurde freigegeben?
- welche Kommentare gab es?
- warum wurde abgelehnt?
- wurde die Bestellung später verändert?
Dadurch entsteht eine nachvollziehbare Historie.
Ein Beispiel:
Bestellung 12.500 €
→ beantragt durch Einkauf
→ geprüft durch Abteilungsleitung
→ freigegeben durch Einkaufsleitung
→ Kommentar: „Budget vorhanden, Lieferant freigegeben“
Bei einer Ablehnung:
→ „Budget überschritten“
oder:
→ „Alternativangebot erforderlich“
Eine solche Dokumentation ist insbesondere bei größeren Organisationen, Audits oder internen Kontrollen hilfreich.
Wie behandle ich dringende Bestellungen?
Dringende Bestellungen sind eine häufige Herausforderung.
Wenn jeder dringende Bedarf den normalen Prozess umgehen darf, verliert der Freigabeworkflow schnell seine Wirkung.
Deshalb sollte ein klarer Ausnahmeprozess definiert werden.
Beispiel:
dringende Bestellung
→ als dringlich markieren
→ verkürzter Freigabeweg
→ verantwortliche Führungskraft wird sofort informiert
→ Entscheidung innerhalb definierter Zeit
→ nachträgliche Dokumentation verpflichtend
Ein solcher Prozess kann beispielsweise bei folgenden Fällen genutzt werden:
- Produktionsstillstand
- kritisches Ersatzteil
- unerwarteter Kundenauftrag
- Sicherheitsproblem
- kurzfristiger Lieferantenausfall
Wichtig ist, später auszuwerten, wie häufig dringende Bestellungen vorkommen.
Wenn ständig Notfallfreigaben benötigt werden, liegt möglicherweise ein Problem in Beschaffungsplanung oder Bestandsmanagement vor.
Wie teste ich einen Freigabeworkflow?
Vor dem Go-live sollten nicht nur Standardfälle getestet werden.
Wichtig sind auch Grenz- und Ausnahmefälle.
Testfall 1: Bestellung unter Freigabegrenze
- Bestellung erstellen
- prüfen, ob direkte Bestätigung möglich ist
Testfall 2: Bestellung knapp über Grenze
- Freigabe auslösen
- richtigen Verantwortlichen prüfen
Testfall 3: mehrstufige Freigabe
- erste Genehmigung
- zweite Genehmigung
- finale Bestellung
Testfall 4: Ablehnung
- Bestellung ablehnen
- Kommentar dokumentieren
- prüfen, wie Bearbeitung weitergeht
Testfall 5: Änderung nach Freigabe
- Betrag erhöhen
- prüfen, ob erneute Freigabe notwendig ist
Testfall 6: Vertretung
- Genehmiger abwesend
- Vertretungsregel prüfen
Testfall 7: dringende Bestellung
- Ausnahmeprozess testen
Testfall 8: unberechtigter Benutzer
- prüfen, ob Bestellung ohne Genehmigung bestätigt werden kann
Dabei sollten verschiedene Rollen mit echten Benutzerrechten testen.
Wie messe ich die Dauer von Freigabeprozessen?
Freigaben sollen Kontrolle schaffen, dürfen aber den Einkauf nicht unnötig verlangsamen.
Deshalb sollte gemessen werden, wie lange Genehmigungen dauern.
Wichtige Kennzahlen sind:
Durchschnittliche Freigabezeit
Zeit zwischen Anforderung und Genehmigung.
Freigabezeit je Stufe
Welche Genehmigungsstufe verursacht die längsten Wartezeiten?
Freigabezeit nach Betrag
Dauern große Bestellungen erheblich länger?
Freigabezeit nach Abteilung
Wo entstehen besonders viele Verzögerungen?
Anzahl offener Freigaben
Wie viele Bestellungen warten aktuell?
Überfällige Freigaben
Welche Vorgänge liegen länger als vorgesehen?
Ablehnungsquote
Wie viele Bestellungen werden abgelehnt?
Änderungsquote
Wie viele Vorgänge müssen nach einer Ablehnung angepasst werden?
Notfallfreigaben
Wie viele Bestellungen nutzen den dringenden Prozess?
Ein mögliches Ziel kann beispielsweise sein:
90 % aller Standardfreigaben innerhalb eines Arbeitstages.
Solche Kennzahlen helfen dabei, zu erkennen, ob ein Kontrollprozess selbst zum Engpass wird.
Welche zusätzlichen Kriterien können Bestellfreigaben auslösen?
Neben dem Betrag können weitere Regeln sinnvoll sein.
Neuer Lieferant
→ zusätzliche Prüfung
Kritische Produktkategorie
→ Fachabteilung muss zustimmen
Budgetüberschreitung
→ Controlling-Freigabe
Investition
→ Geschäftsführung
Vorauszahlung
→ Finanzabteilung
Ungewöhnlich hoher Preis
→ Einkauf prüft
Lieferant mit Qualitätsproblemen
→ zusätzliche Freigabe
Bestellung außerhalb eines Rahmenvertrags
→ Prüfung erforderlich
Dadurch kann der Prozess wesentlich differenzierter gesteuert werden als nur über eine einzelne Betragsgrenze.
Typische Odoo-Module für Bestellfreigaben
Je nach Prozess können insbesondere folgende Anwendungen relevant sein:
- Odoo Einkauf
- Odoo Genehmigungen
- Odoo Mitarbeiter
- Odoo Buchhaltung
- Odoo Lager
- Odoo Dokumente
- Odoo Projekte
- Odoo Multi-Company
Je nach Anforderungen können zusätzliche Automatisierungen oder individuelle Regeln notwendig sein.
Beispiel für einen digitalen Bestellfreigabeprozess
Einkaufsbedarf
↓
Bestellanforderung
↓
Betrag und Regeln prüfen
↓
wenn innerhalb der Freigabegrenze:
direkte Bestellung
oder:
Freigabe erforderlich
↓
Abteilungsleitung
↓
bei höherem Betrag:
Einkaufsleitung
↓
bei strategischem oder sehr hohem Betrag:
Geschäftsführung
↓
Bestellung freigegeben
↓
Bestellung an Lieferanten
↓
Wareneingang
↓
Lieferantenrechnung
↓
Auswertung von Freigabezeit und Ausnahmen
Damit wird der Freigabeprozess vollständig in den Procure-to-Pay-Ablauf integriert.
Fazit: Bestellfreigaben kontrollieren, ohne den Einkauf auszubremsen
Ein guter Freigabeprozess bedeutet nicht, dass jede Bestellung durch mehrere Führungskräfte genehmigt werden muss. Ziel ist es, Risiken und Ausgaben dort zu kontrollieren, wo eine zusätzliche Prüfung tatsächlich sinnvoll ist.
Die sinnvolle Reihenfolge lautet:
Einkaufsrisiken analysieren → automatische Standardfälle definieren → Freigabegrenzen festlegen → Verantwortlichkeiten bestimmen → mehrstufige Prozesse nur bei Bedarf einführen → Ausnahmen regeln → Berechtigungen absichern → testen → Durchlaufzeiten messen → kontinuierlich vereinfachen.
So entstehen Bestellfreigaben, die Transparenz und Kontrolle schaffen, ohne den gesamten Beschaffungsprozess unnötig zu verlangsamen.
Automatische Beschaffung mit Odoo digitalisieren
Automatische Beschaffung sorgt dafür, dass Materialien, Handelswaren und Komponenten rechtzeitig verfügbar sind, ohne dass jeder Bedarf manuell erkannt und jede Bestellung einzeln angestoßen werden muss.
In vielen Unternehmen erfolgt Nachbestellung noch nach Erfahrung, Zuruf oder Excel-Liste. Das führt schnell zu zwei gegensätzlichen Problemen: Fehlbestände auf der einen Seite und unnötig hohe Lagerbestände auf der anderen.
Mit Odoo können Beschaffungsregeln so eingerichtet werden, dass Bedarf abhängig von Lagerbestand, Kundenauftrag, Produktion, Lieferzeit oder definierten Mindestmengen erkannt wird. Ziel ist dabei nicht, möglichst viel zu automatisieren, sondern die richtige Beschaffungslogik für jede Produktgruppe zu definieren.
Wo fange ich mit automatischer Beschaffung an?
Der erste Schritt besteht darin, nicht sofort für alle Produkte automatische Nachbestellregeln zu aktivieren.
Zunächst sollte analysiert werden:
- Welche Produkte werden regelmäßig benötigt?
- Welche Produkte verursachen häufig Fehlbestände?
- Welche Artikel binden besonders viel Kapital?
- Welche Produkte haben lange Lieferzeiten?
- Welche Artikel werden nur auf Kundenauftrag beschafft?
- Welche Produkte sind kritisch für Produktion oder Service?
- Welche Artikel haben stark schwankenden Verbrauch?
- Welche Lieferanten sind zuverlässig?
- Welche Mindestbestellmengen gelten?
Danach können Produkte in Beschaffungsgruppen eingeteilt werden.
Zum Beispiel:
Regelmäßig benötigte Standardartikel
→ automatische Nachbestellung über Mindest- und Maximalbestand
Selten benötigte teure Produkte
→ Make-to-Order
Produktionskomponenten
→ Beschaffung anhand Produktionsbedarf
strategische Sicherheitsartikel
→ definierter Sicherheitsbestand
stark schwankende Produkte
→ manuelle oder überwachte Beschaffung
Die Grundlage automatischer Beschaffung ist deshalb immer eine saubere Produktklassifizierung.
Welche Produkte eignen sich für automatische Nachbestellung?
Besonders gut geeignet sind Produkte mit regelmäßigem und relativ gut planbarem Verbrauch.
Typische Beispiele:
- Standard-Handelsware
- Verbrauchsmaterial
- Verpackungsmaterial
- häufig benötigte Ersatzteile
- regelmäßig eingesetzte Rohstoffe
- Standardkomponenten für die Produktion
Gut geeignet sind Produkte, bei denen folgende Bedingungen erfüllt sind:
- regelmäßiger Verbrauch
- stabile Lieferzeiten
- bekannte Mindestmengen
- zuverlässiger Lieferant
- überschaubare Preisschwankungen
Weniger geeignet für vollständig automatische Beschaffung sind beispielsweise:
- sehr teure Einzelteile
- selten benötigte Produkte
- schnell veraltende Ware
- stark schwankende Nachfrage
- Produkte mit unsicherer Lieferfähigkeit
- individuelle Sonderbeschaffungen
Für solche Produkte kann ein halbautomatischer Prozess sinnvoller sein.
Zum Beispiel:
Bedarf wird automatisch erkannt
→ Einkäufer prüft
→ Bestellung wird manuell freigegeben
Was ist der Unterschied zwischen Mindestbestand und Meldebestand?
Die Begriffe werden häufig ähnlich verwendet, beschreiben aber unterschiedliche logische Konzepte.
Mindestbestand
Der Mindestbestand ist eine definierte Untergrenze, die möglichst nicht unterschritten werden soll.
Er dient als Sicherheitsreserve.
Beispiel:
Mindestbestand:
20 Stück
Meldebestand
Der Meldebestand beschreibt den Bestand, bei dem eine neue Bestellung ausgelöst werden sollte.
Dabei werden typischerweise berücksichtigt:
- Verbrauch während der Lieferzeit
- Sicherheitsbestand
Ein einfaches Beispiel:
durchschnittlicher Verbrauch:
10 Stück pro Tag
Lieferzeit:
5 Tage
Sicherheitsbestand:
20 Stück
Dann wäre ein möglicher Meldebestand:
10 × 5 + 20 = 70 Stück
Sobald der verfügbare Bestand auf etwa 70 Stück sinkt, sollte nachbestellt werden.
In Odoo wird diese Logik in der Praxis über Nachbestellregeln mit Mindest- und Maximalmengen abgebildet.
Wie bestimme ich optimale Mindestbestände?
Ein Mindestbestand sollte nicht nach Gefühl festgelegt werden.
Wichtige Einflussfaktoren sind:
- durchschnittlicher Verbrauch
- maximale Verbrauchsspitzen
- Lieferzeit
- Schwankungen der Lieferzeit
- Bedeutung des Produkts
- Wiederbeschaffungskosten
- Lagerkosten
- Risiko eines Fehlbestands
Ein einfaches Modell kann sein:
Sicherheitsbestand = durchschnittlicher Zusatzverbrauch während möglicher Lieferverzögerung
Beispiel:
Durchschnittsverbrauch:
20 Stück pro Tag
übliche Lieferzeit:
5 Tage
mögliche Verzögerung:
2 Tage
Dann könnte eine Sicherheitsreserve von:
40 Stück
sinnvoll sein.
Diese Werte sollten später nicht statisch bleiben.
Nach einigen Monaten kann geprüft werden:
- Wie häufig wurde der Mindestbestand erreicht?
- Wie häufig gab es trotzdem Fehlbestände?
- Wie viel Bestand lag durchschnittlich ungenutzt?
- Wie stark schwankte der Verbrauch?
Dadurch können die Regeln schrittweise verbessert werden.
Wann ist Make-to-Order sinnvoll?
Make-to-Order bedeutet, dass Beschaffung oder Produktion erst durch einen konkreten Kundenauftrag ausgelöst wird.
Das eignet sich besonders für:
- teure Produkte
- selten verkaufte Artikel
- kundenspezifische Produkte
- Produkte mit vielen Varianten
- große Bauteile
- Artikel mit hoher Kapitalbindung
- Produkte mit geringer Lagerumschlagshäufigkeit
Ein möglicher Prozess lautet:
Kundenauftrag
→ Bedarf entsteht
→ Einkaufsbestellung oder Fertigungsauftrag
→ Wareneingang / Produktion
→ Kundenlieferung
Der Vorteil:
Es muss kein unnötiger Lagerbestand aufgebaut werden.
Der Nachteil:
Die Lieferzeit gegenüber dem Kunden wird länger.
Make-to-Order ist daher besonders dann sinnvoll, wenn der Kunde längere Lieferzeiten akzeptiert oder Produkte individuell beschafft werden.
Wann sollte Odoo automatisch Einkaufsbestellungen erzeugen?
Nicht jeder automatisch erkannte Bedarf sollte sofort ohne Prüfung bestellt werden.
Vollautomatische Bestellungen eignen sich besonders bei klar definierten Standardfällen.
Beispielsweise:
- Standardprodukt
- fester Lieferant
- stabiler Preis
- bekannte Lieferzeit
- definierte Mindestmenge
- geringer Bestellwert
Ein möglicher Prozess:
Bestand unterschreitet Mindestwert
→ Bedarf entsteht
→ Lieferant wird automatisch ausgewählt
→ Einkaufsbestellung wird erzeugt
Je nach Risiko kann die Bestellung anschließend:
automatisch bestätigt werden
oder
zunächst als Anfrage entstehen
oder
eine Freigabe benötigen
Ein Beispiel:
Bestellwert unter 1.000 €
→ automatisch
Bestellwert über 1.000 €
→ Freigabe durch Einkauf
Damit kann Automatisierung mit Kontrolle kombiniert werden.
Wie berücksichtige ich Lieferzeiten?
Lieferzeiten sind entscheidend für eine funktionierende automatische Beschaffung.
Wenn ein Produkt täglich benötigt wird, der Lieferant aber vier Wochen Lieferzeit hat, reicht es nicht, erst bei fast leerem Lager zu bestellen.
Berücksichtigt werden sollten:
- Lieferzeit des Lieferanten
- interne Bearbeitungszeit
- Transportzeit
- Wareneingangsprüfung
- mögliche Verzögerungen
Ein Beispiel:
Durchschnittsverbrauch:
10 Stück pro Tag
Lieferzeit:
14 Tage
Bedarf während Lieferzeit:
140 Stück
Wenn zusätzlich ein Sicherheitsbestand von 40 Stück vorgesehen ist, sollte der Beschaffungsprozess bereits bei etwa:
180 Stück
reagieren.
Je länger und unsicherer die Lieferzeit, desto wichtiger ist eine realistische Planung.
Wie verhindere ich Überbestände?
Automatische Beschaffung kann Fehlbestände reduzieren, aber falsch konfigurierte Regeln können auch zu hohen Lagerbeständen führen.
Typische Ursachen sind:
- zu hohe Mindestbestände
- zu hohe Maximalbestände
- veraltete Verbrauchsdaten
- falsche Lieferzeiten
- doppelte Nachbestellregeln
- unnötig große Mindestbestellmengen
- sinkende Nachfrage
- parallel laufende Bestellungen
Sinnvolle Maßnahmen sind:
Mindest- und Maximalbestände regelmäßig prüfen
offene Bestellungen berücksichtigen
zukünftigen Bedarf berücksichtigen
Lagerumschlag messen
Produkte nach Bedeutung klassifizieren
langsam drehende Artikel gesondert behandeln
Maximalmengen nicht zu hoch setzen
Besonders wichtig ist die Kombination aus:
Versorgungssicherheit
und
Kapitalbindung
Ein perfekter Bestand ist nicht maximal hoch, sondern so niedrig wie möglich und so hoch wie nötig.
Wie berücksichtige ich saisonale Schwankungen?
Bei saisonalen Produkten reichen statische Mindestbestände häufig nicht aus.
Beispiele:
- Getränke im Sommer
- Heizungsprodukte im Winter
- Weihnachtsartikel
- Baustoffe in bestimmten Monaten
- saisonale Lebensmittel
Hier sollte historische Nachfrage berücksichtigt werden.
Ein möglicher Ablauf:
Nebensaison
geringer Mindest- und Maximalbestand
vor Saisonbeginn
Bestände gezielt erhöhen
Hochsaison
höhere Beschaffungsfrequenz
Saisonende
Bestände bewusst reduzieren
Zusätzlich sollten berücksichtigt werden:
- Marketingaktionen
- bekannte Großaufträge
- Feiertage
- Lieferengpässe
- Lieferantenferien
Eine Kombination aus historischen Daten und bekannten zukünftigen Ereignissen ist meist zuverlässiger als eine rein statische Regel.
Wie teste ich Nachbestellregeln?
Nachbestellregeln sollten unbedingt vor dem produktiven Einsatz getestet werden.
Testfall 1: Bestand über Mindestwert
Es sollte keine Beschaffung ausgelöst werden.
Testfall 2: Bestand unterschreitet Mindestwert
Odoo sollte den vorgesehenen Bedarf erzeugen.
Testfall 3: offene Bestellung vorhanden
Es darf nicht unnötig doppelt bestellt werden.
Testfall 4: Kundenauftrag erhöht Bedarf
Die zukünftige Verfügbarkeit sollte korrekt berücksichtigt werden.
Testfall 5: Mindestbestellmenge
Die Bestellmenge sollte den Lieferantenregeln entsprechen.
Testfall 6: mehrere Lieferanten
Es muss geprüft werden, welcher Lieferant ausgewählt wird.
Testfall 7: lange Lieferzeit
Beschaffung muss früh genug ausgelöst werden.
Testfall 8: Make-to-Order
Ein Kundenauftrag sollte den richtigen Beschaffungsprozess starten.
Testfall 9: Storno
Wird ein Kunden- oder Produktionsauftrag storniert, darf kein unnötiger Bedarf bestehen bleiben.
Erst wenn Standard- und Ausnahmefälle korrekt funktionieren, sollte der Prozess vollständig automatisiert werden.
Welche Ausnahmen müssen manuell geprüft werden?
Einige Situationen sollten bewusst nicht vollständig automatisiert werden.
Dazu gehören beispielsweise:
starke Preisänderung
Der aktuelle Lieferantenpreis weicht deutlich vom üblichen Preis ab.
neuer Lieferant
Der Lieferant wurde noch nicht geprüft.
ungewöhnlich große Bestellmenge
Der Bedarf liegt deutlich über dem normalen Verbrauch.
Lieferproblem
Bevorzugter Lieferant kann nicht rechtzeitig liefern.
kritischer Artikel
Ein Fehlbestand könnte Produktion oder wichtige Kundenaufträge gefährden.
hoher Bestellwert
Freigabe erforderlich.
stark schwankende Nachfrage
Automatische Berechnung ist möglicherweise unzuverlässig.
beschädigte oder gesperrte Bestände
Physischer Bestand ist zwar vorhanden, aber nicht verwendbar.
Ein sinnvoller Ansatz lautet:
Standardfälle automatisieren – Ausnahmen sichtbar machen.
Damit konzentriert sich der Einkauf auf Entscheidungen statt auf Routinearbeit.
Wie optimiere ich Beschaffungsregeln anhand realer Verbrauchsdaten?
Beschaffungsregeln sollten nach dem Go-live regelmäßig überprüft werden.
Wichtige Daten sind:
- durchschnittlicher Verbrauch
- Spitzenverbrauch
- tatsächliche Lieferzeit
- Lieferverzögerungen
- Fehlbestände
- durchschnittlicher Lagerbestand
- Lagerumschlag
- offene Bestellungen
- Ausschuss
- Retouren
Ein Produkt kann beispielsweise ursprünglich mit:
Mindestbestand 100
und
Maximalbestand 500
gestartet sein.
Nach sechs Monaten zeigt sich:
- durchschnittlicher Verbrauch deutlich geringer
- keine Fehlbestände
- hoher Restbestand
Dann können die Werte beispielsweise auf:
Mindestbestand 50
und
Maximalbestand 250
reduziert werden.
Bei einem anderen Produkt kann das Gegenteil notwendig sein.
Der Optimierungsprozess lautet deshalb:
Verbrauch messen
→ Lieferzeiten messen
→ Fehlbestände analysieren
→ Bestände analysieren
→ Regeln anpassen
→ Ergebnis erneut messen
So entwickelt sich automatische Beschaffung kontinuierlich weiter.
Welche KPIs sollte ich bei automatischer Beschaffung messen?
Wichtige Kennzahlen sind:
Fehlbestandsquote
Wie häufig ist ein benötigtes Produkt nicht verfügbar?
Servicegrad
Wie viel Nachfrage kann direkt aus Bestand erfüllt werden?
Durchschnittlicher Lagerbestand
Wie viel Kapital wird gebunden?
Lagerumschlag
Wie häufig wird Bestand innerhalb eines Zeitraums umgesetzt?
Reichweite
Für wie viele Tage reicht der aktuelle Bestand?
Nachbestellhäufigkeit
Wie oft wird ein Produkt beschafft?
Automatisierungsquote
Wie viele Beschaffungen entstehen automatisch?
Manuelle Eingriffsquote
Wie häufig muss ein Einkäufer korrigieren?
Überbestandsquote
Wie viele Produkte liegen deutlich über dem tatsächlichen Bedarf?
tatsächliche Lieferzeit
Wie stark unterscheidet sie sich von der geplanten Lieferzeit?
Diese KPIs zeigen, ob Beschaffung tatsächlich effizienter wird oder nur stärker automatisiert ist.
Typische Odoo-Module für automatische Beschaffung
Je nach Prozess können insbesondere folgende Anwendungen relevant sein:
- Odoo Einkauf
- Odoo Lager
- Odoo Verkauf
- Odoo Fertigung
- Odoo Barcode
- Odoo Buchhaltung
- Odoo Genehmigungen
- Odoo Reporting
Entscheidend ist das Zusammenspiel zwischen Bedarf, Bestand, Lieferant und Beschaffungsroute.
Beispiel für einen automatisierten Beschaffungsprozess
Verbrauch / Kundenauftrag / Produktionsbedarf
↓
zukünftigen Bestand prüfen
↓
wenn ausreichend:
keine Aktion
oder:
Beschaffungsbedarf
↓
Beschaffungsregel prüfen
↓
entweder:
Nachbestellung
oder
Make-to-Order
oder
Produktion
↓
Lieferant und Konditionen bestimmen
↓
gegebenenfalls:
Freigabe
↓
Einkaufsbestellung
↓
Wareneingang
↓
Bestand aktualisieren
↓
Verbrauch und Lieferzeit auswerten
↓
Beschaffungsregeln optimieren
Damit entwickelt sich Beschaffung von einer reaktiven Tätigkeit zu einem vorausschauenden und datenbasierten Prozess.
Fazit: Automatische Beschaffung kontrolliert und schrittweise einführen
Automatische Beschaffung bedeutet nicht, dass Odoo jede Bestellung vollständig ohne menschliche Kontrolle auslösen sollte. Der größte Nutzen entsteht, wenn häufige und eindeutig definierte Standardfälle automatisiert werden, während ungewöhnliche oder risikoreiche Situationen weiterhin geprüft werden.
Die sinnvolle Reihenfolge lautet:
Produkte analysieren → Beschaffungsstrategie festlegen → Verbrauch und Lieferzeiten prüfen → Mindest- und Maximalbestände definieren → Nachbestellregeln konfigurieren → Ausnahmefälle bestimmen → testen → schrittweise automatisieren → KPIs messen → Regeln anhand realer Daten optimieren.
So kann Odoo helfen, Fehlbestände zu reduzieren, Lagerkapital besser zu steuern und den Einkauf von wiederkehrenden Routineaufgaben zu entlasten.
Rechnungsprüfung im Einkauf mit Odoo digitalisieren
Die Rechnungsprüfung im Einkauf verbindet Bestellung, Wareneingang und Buchhaltung. In vielen Unternehmen werden Lieferantenrechnungen noch manuell gegen Bestellungen, Lieferscheine oder E-Mails geprüft. Das kostet Zeit und erhöht das Risiko, falsche Preise, zu hohe Mengen oder nicht gelieferte Positionen zu bezahlen.
Mit Odoo kann die Rechnungsprüfung enger mit Einkauf und Lager verbunden werden. Dadurch lässt sich nachvollziehen, was bestellt, tatsächlich geliefert und anschließend berechnet wurde. Besonders wichtig ist dabei, vorab klare Regeln für Abweichungen, Freigaben und Teillieferungen zu definieren.
Wo fange ich bei der Digitalisierung der Rechnungsprüfung an?
Der erste Schritt ist die Analyse des heutigen Prüfprozesses.
Dabei sollte geklärt werden:
- Wie kommen Lieferantenrechnungen ins Unternehmen?
- Wer erfasst sie?
- Wer prüft sachlich?
- Wer prüft Preise?
- Wer prüft Mengen?
- Welche Bestellung gehört zur Rechnung?
- Wird der Wareneingang berücksichtigt?
- Welche Abweichungen sind zulässig?
- Wer darf Ausnahmen freigeben?
- Wann darf eine Rechnung bezahlt werden?
- Welche Dokumente werden benötigt?
- Wo entstehen heute Rückfragen oder Verzögerungen?
Ein möglicher Soll-Prozess lautet:
Bestellung
→ Wareneingang
→ Lieferantenrechnung
→ automatischer bzw. unterstützter Abgleich
→ Abweichung prüfen
→ gegebenenfalls Freigabe
→ Rechnung buchen
→ Zahlung
Ziel ist, Standardrechnungen möglichst effizient zu verarbeiten und nur bei Abweichungen manuell einzugreifen.
Wie verbinde ich Bestellung, Wareneingang und Lieferantenrechnung?
Die drei Vorgänge sollten möglichst nicht unabhängig voneinander betrachtet werden.
Bestellung
Sie enthält beispielsweise:
- Lieferant
- Produkt
- bestellte Menge
- Einkaufspreis
- Steuern
- Zahlungsbedingungen
- erwarteten Liefertermin
Wareneingang
Er zeigt:
- tatsächlich gelieferte Menge
- Lieferdatum
- eventuelle Teilmengen
- Chargen oder Seriennummern
- gegebenenfalls Qualitätsstatus
Lieferantenrechnung
Sie enthält:
- berechnete Produkte
- berechnete Mengen
- Preis
- Steuer
- Zahlungsziel
Der Prüfprozess kann dadurch vergleichen:
Was wurde bestellt?
→ Was wurde geliefert?
→ Was wurde berechnet?
Ein typischer Ablauf lautet:
Bestellung: 100 Stück × 10 €
→ Wareneingang: 100 Stück
→ Rechnung: 100 Stück × 10 €
→ keine relevante Abweichung
→ Rechnung kann weiterverarbeitet werden.
Bei Abweichungen wird dagegen eine Prüfung erforderlich.
Was bedeutet Zwei-Wege- oder Drei-Wege-Abgleich?
Diese Begriffe beschreiben, welche Dokumente miteinander verglichen werden.
Zwei-Wege-Abgleich
Verglichen werden:
Bestellung ↔ Lieferantenrechnung
Beispiel:
Bestellt:
100 Stück × 10 €
Rechnung:
100 Stück × 10 €
Der Wareneingang spielt bei diesem Vergleich keine Rolle.
Das kann sinnvoll sein, wenn:
- kein physischer Wareneingang existiert
- Dienstleistungen beschafft werden
- die Lieferung separat kontrolliert wird
Drei-Wege-Abgleich
Verglichen werden:
Bestellung ↔ Wareneingang ↔ Lieferantenrechnung
Beispiel:
Bestellt:
100 Stück
Geliefert:
80 Stück
Berechnet:
100 Stück
Hier wird sofort sichtbar, dass die Rechnung möglicherweise nicht zur tatsächlich gelieferten Menge passt.
Der Drei-Wege-Abgleich ist besonders sinnvoll bei Warenbeschaffung.
Er reduziert das Risiko, Waren zu bezahlen, die noch nicht geliefert wurden.
Wann darf eine Rechnung freigegeben werden?
Dafür sollten klare Regeln definiert werden.
Eine Rechnung kann beispielsweise freigegeben werden, wenn:
- Lieferant korrekt ist
- Bestellbezug vorhanden ist
- Produkte übereinstimmen
- Preise innerhalb erlaubter Toleranz liegen
- gelieferte Mengen stimmen
- Steuern korrekt sind
- Zahlungsbedingungen stimmen
- erforderlicher Wareneingang bestätigt wurde
Je nach Unternehmen können unterschiedliche Freigabestufen gelten.
Beispiel:
keine Abweichung
→ automatische bzw. vereinfachte Weiterverarbeitung
kleine Abweichung innerhalb Toleranz
→ Einkäufer darf freigeben
größere Abweichung
→ Einkaufsleitung oder Fachabteilung
hoher Rechnungsbetrag
→ zusätzliche Finanzfreigabe
Wichtig ist, zwischen formaler, sachlicher und kaufmännischer Prüfung zu unterscheiden.
Wie gehe ich mit Preisabweichungen um?
Preisabweichungen gehören zu den häufigsten Problemen bei Lieferantenrechnungen.
Beispiel:
Bestellung:
10,00 € pro Stück
Rechnung:
10,30 € pro Stück
Nun muss entschieden werden, ob die Abweichung zulässig ist.
Sinnvoll ist die Definition von Toleranzen.
Beispielsweise:
bis 1 %
→ innerhalb Toleranz
1–5 %
→ Einkäufer prüft
über 5 %
→ Freigabe erforderlich
Alternativ können absolute Beträge genutzt werden.
Beispiel:
Abweichungen bis 10 € werden toleriert.
Wichtig ist dabei, unterschiedliche Produktgruppen zu berücksichtigen. Bei Rohstoffen können Preisänderungen häufiger vorkommen als bei langfristig vereinbarten Festpreisen.
Bei einer unzulässigen Abweichung gibt es mehrere Möglichkeiten:
- Lieferantenrechnung korrigieren lassen
- Bestellung anpassen
- Preisänderung genehmigen
- Gutschrift anfordern
Die Entscheidung sollte dokumentiert werden.
Wie gehe ich mit Mengenabweichungen um?
Auch Mengenabweichungen sollten strukturiert behandelt werden.
Beispiel:
Bestellung:
100 Stück
Wareneingang:
90 Stück
Rechnung:
100 Stück
Mögliche Ursachen:
- Restlieferung folgt später
- Lieferant hat falsch fakturiert
- Wareneingang wurde noch nicht vollständig gebucht
- Ware wurde beschädigt oder abgelehnt
Die Prüfung sollte deshalb nicht nur auf die Rechnung schauen.
Ein sinnvoller Ablauf:
Mengenabweichung erkannt
→ Wareneingang prüfen
→ Restlieferung erwartet?
→ Rechnung korrekt?
→ gegebenenfalls Rechnung sperren
→ Lieferantenklärung
Bei Dienstleistungen kann statt Wareneingang eine Leistungsbestätigung notwendig sein.
Wie behandle ich Teillieferungen?
Teillieferungen sind ein wichtiger Sonderfall.
Beispiel:
Bestellt:
100 Stück
erste Lieferung:
60 Stück
zweite Lieferung:
40 Stück
Nun gibt es verschiedene Rechnungsmodelle.
Variante 1: Rechnung je Lieferung
Erste Rechnung:
60 Stück
Zweite Rechnung:
40 Stück
Variante 2: Gesamtrechnung
Lieferant berechnet erst nach vollständiger Lieferung alle 100 Stück.
Variante 3: Rechnung vor vollständiger Lieferung
Hier sollte geprüft werden, ob das vertraglich zulässig ist.
Für den digitalen Prozess sollte deshalb geklärt werden:
- Wird nach bestellter oder gelieferter Menge fakturiert?
- Sind Teilrechnungen erlaubt?
- Wann gilt der Wareneingang als vollständig?
- Wie werden Restmengen verfolgt?
- Wann darf eine Rechnung bezahlt werden?
Odoo sollte so konfiguriert sein, dass offene Restmengen nachvollziehbar bleiben.
Wie organisiere ich Freigaben?
Nicht jede Lieferantenrechnung benötigt dieselbe Genehmigung.
Ein sinnvolles Modell könnte sein:
Standardrechnung ohne Abweichung
→ direkte Buchhaltungsprüfung
Rechnung mit kleiner Preisabweichung
→ Einkauf prüft
Rechnung mit Mengenabweichung
→ Lager oder Fachabteilung prüft
Rechnung über hohem Betrag
→ zusätzliche Freigabe
Rechnung ohne Bestellung
→ besondere Prüfung
Investitionsrechnung
→ Kostenstellenverantwortlicher oder Geschäftsführung
Dadurch wird der Freigabeprozess risikoorientiert.
Ein möglicher Ablauf:
Rechnung eingehen
→ Bestellung zuordnen
→ Abgleich durchführen
→ keine Abweichung
→ Buchung
oder:
→ Abweichung erkannt
→ zuständigen Prüfer bestimmen
→ Freigabe oder Ablehnung
→ Buchung
→ Zahlung
Wie dokumentiere ich Abweichungen?
Abweichungen sollten nicht nur per E-Mail geklärt werden.
Wichtig ist eine nachvollziehbare Dokumentation.
Erfasst werden können beispielsweise:
- Art der Abweichung
- ursprünglicher Bestellwert
- Rechnungswert
- Differenz
- betroffene Position
- Ursache
- zuständiger Prüfer
- Entscheidung
- Kommentar
- Datum der Freigabe
- gegebenenfalls Lieferantenkorrespondenz
Typische Kategorien sind:
- Preisabweichung
- Mengenabweichung
- falsche Steuer
- falscher Lieferant
- falsche Bestellung
- fehlender Wareneingang
- beschädigte Ware
- doppelte Rechnung
Diese Daten können später ausgewertet werden.
Beispielsweise:
Welche Lieferanten verursachen besonders viele Preisabweichungen?
oder:
Welche Produktgruppen erzeugen häufig Rechnungsprobleme?
Damit wird Rechnungsprüfung zugleich zu einer Informationsquelle für Lieferantenmanagement und Einkauf.
Welche Rechnungsprüfungen kann Odoo automatisieren?
Viele Standardprüfungen lassen sich systematisch unterstützen.
Bestellbezug prüfen
Ist eine Lieferantenrechnung einer Bestellung zugeordnet?
Preise vergleichen
Stimmen Einkaufspreis und Rechnungswert überein?
Mengen vergleichen
Stimmen bestellte, gelieferte und berechnete Mengen überein?
Wareneingang berücksichtigen
Wurde die Ware tatsächlich geliefert?
Steuern prüfen
Passen Steuerinformationen zum Vorgang?
Zahlungsbedingungen übernehmen
Sind vereinbarte Konditionen hinterlegt?
Dubletten erkennen
Wurde dieselbe Lieferantenrechnung bereits erfasst?
Freigaben auslösen
Bei bestimmten Abweichungen oder Beträgen kann ein Prüfprozess gestartet werden.
Aktivitäten erzeugen
Beispiel:
Preisabweichung über Toleranz
→ Aktivität an Einkauf
oder:
Rechnung ohne bestätigten Wareneingang
→ Prüfung erforderlich
Das Ziel lautet:
Standardfälle automatisieren – Abweichungen gezielt sichtbar machen.
Welche Rechnungen brauchen besondere Aufmerksamkeit?
Bestimmte Fälle sollten grundsätzlich genauer geprüft werden:
- Rechnung ohne Bestellbezug
- neuer Lieferant
- ungewöhnlich hoher Betrag
- Vorauszahlung
- Preisabweichung
- Mengenabweichung
- fehlender Wareneingang
- Rechnung zu stornierter Bestellung
- doppelte Rechnungsnummer
- geänderte Bankverbindung
- abweichende Steuer
- stark verspätete Rechnung
Solche Vorgänge können als Ausnahmen behandelt werden, während typische Standardrechnungen einen schnelleren Prozess durchlaufen.
Welche KPIs sollte ich bei der Rechnungsprüfung messen?
Auch die Rechnungsprüfung lässt sich über Kennzahlen optimieren.
Durchlaufzeit einer Lieferantenrechnung
Wie lange dauert es vom Eingang bis zur Freigabe?
Anteil automatisch bzw. ohne Rückfrage verarbeiteter Rechnungen
Wie viele Rechnungen laufen ohne manuelle Klärung?
Abweichungsquote
Wie viele Rechnungen weichen von Bestellung oder Wareneingang ab?
Preisabweichungsquote
Wie häufig stimmen Preise nicht?
Mengenabweichungsquote
Wie häufig stimmen Mengen nicht?
Rechnungen ohne Bestellbezug
Wie viele Rechnungen können keinem geregelten Einkaufsprozess zugeordnet werden?
Freigabedauer
Wie lange warten Rechnungen auf Verantwortliche?
Skontoverluste
Wie häufig gehen mögliche Skonti aufgrund langsamer Prüfung verloren?
Reklamationsquote nach Lieferant
Welche Lieferanten verursachen besonders viele Klärungsfälle?
Diese Kennzahlen zeigen, ob der Rechnungsprüfungsprozess effizient und zuverlässig funktioniert.
Typische Odoo-Module für die Rechnungsprüfung im Einkauf
Je nach Prozess können insbesondere folgende Anwendungen relevant sein:
- Odoo Einkauf
- Odoo Lager
- Odoo Buchhaltung
- Odoo Dokumente
- Odoo Genehmigungen
- Odoo Qualität
- Odoo Barcode
Entscheidend ist vor allem die Verbindung zwischen Einkauf, Warenbewegung und Buchhaltung.
Beispiel für einen digitalen Rechnungsprüfungsprozess
Bestellung
↓
Wareneingang
↓
Lieferantenrechnung
↓
Bestellung zuordnen
↓
Preis prüfen
↓
Menge prüfen
↓
Wareneingang prüfen
↓
wenn alles stimmt:
Rechnung freigeben
↓
buchen
↓
Zahlung
oder bei Abweichung:
Abweichung markieren
↓
zuständigen Mitarbeiter informieren
↓
Ursache prüfen
↓
korrigieren / freigeben / zurückweisen
↓
Entscheidung dokumentieren
↓
Rechnung buchen
Damit entsteht ein nachvollziehbarer und weitgehend standardisierter Rechnungsprüfungsprozess.
Fazit: Rechnungsprüfung vom manuellen Vergleich zum digitalen Kontrollprozess entwickeln
Die Digitalisierung der Rechnungsprüfung sollte nicht nur darin bestehen, Lieferantenrechnungen elektronisch zu erfassen. Der eigentliche Mehrwert entsteht durch die Verbindung mit Bestellung und Wareneingang.
Die sinnvolle Reihenfolge lautet:
bestehenden Prüfprozess analysieren → Zwei- oder Drei-Wege-Abgleich definieren → Toleranzen festlegen → Preis- und Mengenabweichungen strukturieren → Teillieferungen berücksichtigen → Freigaben definieren → Ausnahmen dokumentieren → Standardprüfungen automatisieren → Durchlaufzeiten messen → kontinuierlich optimieren.
So wird aus einer manuellen Rechnungsprüfung ein transparenter Purchase-to-Pay-Kontrollprozess, bei dem Mitarbeiter ihre Zeit vor allem für tatsächliche Abweichungen und Ausnahmen einsetzen.